Tutaonana Ndolage

Schweren Herzens haben wir gestern Nachmittag Ndolage verlassen. Keine Ahnung. wo die letzten 4 Wochen geblieben sind. Sie sind jedenfalls verflogen. Viel zu schnell! Gerade hatten wir uns an die Arbeit gewöhnt, es uns im Haus gemütlich gemacht, einige Leute näher kennengelernt und dann ist es auch schon vorbei... :-/ Dementsprechend traurig war der Abschied. Mit dem festen Vorsatz, auf jeden Fall wieder zu kommen, fiel es uns dann aber etwas leichter zu gehen. Einige der Mzungus aus Ndolage werden wir auch wahrscheinlich bzw. ganz sicher in kürzester Zeit wiedersehen. Zum Beispiel den Voluntär Andreas aus Dänemark. Er arbeitet für ein Jahr in Bukoba und unterrichtet hauptsächlich im EDV-Bereich. Ihn treffen wir vermutlich schon in 8 Tagen in Moshi wieder. Oder Jutta, die dänische Ärztin. Sie hat Ndolage kurz vor uns verlassen, um in Stown Tone auf Sansibar, einen neuen Job anzunehmen. Da wir unsere letzten Tage vor dem Heimflug in Stown Town verbringen, werden wir sie dort in jedem Fall besuchen. Tja, und nicht zu vergessen unsere Simone, die nach Ihrem freiwilligen, sozialen Jahr im Oktober ihre Ausbildung zur Hebamme in Paderborn beginnen wird. Zufälle gibt's! :-) Wir haben uns mit Ihr schon zu einem afrikanischen Abend mit natürlich afikanischer Küche und "Klamotte" bei uns zu Hause verabredet. Einen asiatischen Laden der Kochbananen verkauft, hat Stefan in Paderborn auch schon aufgetan. So ist der Abschied von zumindest Einigen also nur sehr kurzfristig. Zum Glück!

 

Fortbildungen und "Dinner not only for one"

Der Rest der Woche stand dann arbeitstechnisch ganz unter dem Motto "Teaching". Mein Verprechen eine Fortbildung über Ultraschall zu halten, wollte ich unbedingt noch einlösen. Angesichts der instabilen und oft furchtbar langsamen Internetverbidnung, ein ziemlich zeitaufwändiges Vorhaben, da ich für den Theorieteil dutzende von Ultraschallbildern herunterladen musste. Nebenbei wollte ich zusammen mit Jutta auch noch, auf Ndolage's Möglichkeiten zugeschnitzte, "Guidelines für die Behandlung von Diabetes mellitus" zusammenstellen. Etwas hektisch, aber letztendlich haben wir alles fertig bekommen und nach mehreren gescheiterten Anläufen ("Pole, pole!") auch an den Mann/Frau, Arzt/Ärztin bzw. Schwester und Pfleger bringen können. Ich hoffe, trotz unseres nur kurzen Aufenthaltes, auf diese Art etwas Sinnvolles in Ndolage hinterlassen zu haben!
Abends jagte dann eine Einladung zum Dinner die andere. Nach dem schönen Montagabend bei den Kalugendus (s. "Abendessen im Bananenfeld"), wurden wir am Dienstagabend zu einem, wie wir dachten, offiziellen Abschiedsessen von Dr. Jutta Joergensen eingeladen. Alle Mzungus aus Ndolage inklusive Voluntäre und Famulaten waren geladen. Desweiteren waren der Chefarzt, der Geschäftsführer, einige Doktoren und Schwestern anwesend. Schnell stellte sich zu unserer Überraschung heraus, dass nicht nur Jutta sondern auch wir verabschiedet werden sollten. Angesichts unseres so kurzen Aufenthaltes im Vergleich zu Jutta (mehr als ein Jahr) fast schon beschämend. Gefreut haben wir uns natürlich dennoch. Ein bißchen wie auf dem Schützenfest wurden wir vorne an eine "Ehrentafel" gesetzt, zusammen mit dem Chefarzt und dem Geschäftsführer. Zuerst gab es lecker Essen, natürlich Bananen, Reis, selbstgemachte Pommes, Gemüse und Fleisch. Getrunken wurde Soda (Softdrinks) und zum Nachtisch die obligatorischen süßen, kleinen Bananen. Soweit zu gut! Im Anschluss begann dann die "Lobhudelei". Jeder der wollte, konnte etwas sagen und dem einen oder anderen von uns dreien für sein Engagement für das Krankenhaus danken. Sehr merkwürdige Situation. Mir jedenfalls wurde heiß und kalt gleichzeitig...und vielleicht bin ich auch etwas rot geworden. Im Anschluss daran kam der Part, wo WIR etwas sagen sollten. Auch nicht so einfach! Mir ist das aber immer noch leichter gefallen, als einfach dazusitzen, während Andere einem für etwas danken, was man selber als Spass bzw. Urlaub und super wertvolle Erfahrung empfunden hat. Irgendwie hatte ICH das Gefühl mich bedanken zu müssen, was sowohl ich als auch Stefan dann auch ausgiebeig getan haben. Zum Schluss gab es dann sogar auch noch Geschenke. Wir beide haben jeweils einen traditionellen Batiki (Kleidungsstück, s. Fotos) bekommen, worüber wir uns riesig gefreut haben. Damit war dann der offizielle Teil der Veranstaltung beendet. Weiter ging es dann mit einem gemütlichen Sitin bei Jutta und Henrik. Dort gab es sensationellen Schokoladenkuchen, Bier und noch mehr Soda. Gegen Mitternacht "rollten" wir schließlich alle nach Hause. Am Mittwoch Abend haben WIR dann Jutta, Hendrik und Simone zum Essen/"Carboloading" (Gruß an die Triathleten) eingeladen. Es gab Nudelauflauf mit Käse überbacken. Da man in Ndolage keine Nudeln und auch keinen Käse kaufen kann, mußte der Abend von langer Hand geplant werden. Eine Woche zuvor hatte ich bei meinem Besuch in der Town Clinic in Bukoba schon Nudeln, Käse und ein Kilo Tomaten und ein Paar Möhren gekauft. Desweiteren brauchten wir für den Nachtisch Joghurt, den es nur an einer Stelle in Bukoba zu kaufen gibt, und natürlich Mango und Ananas. Als kleine Abschiedsgeschenke hatte wir uns für gerahmte Fotos von den Abenden zuvor entschieden. Dann wollte wir noch Feuerholz besorgen, um an dem Abend ein gemütliches Kaminfeuerchen zu machen und zu guter letzt Kekse backen, damit es auch was zu Knabbern gab. Ach ja, und natürlich Bier, das darf nicht fehlen. Nur nach viel Überredungskunst ist es gelungen, den Verkäufer davon zu überzeugen, das er uns die Flaschen mitgibt. Normalerweise muss man die Flaschen, die man kauft, gleich austrinken, ansonsten muss ein zusätzlicher Flaschenpreis gezahlt werden. Jaja, alles nicht so einfach! Nix mit 5 min. in den Supermarkt springen und fertig... :-)
Alles in allem war der Abend dann aber ein voller Erfolg, 800 g Nudeln, ein Kilo Tomaten + Möhren + 250 g Käse wurden von den 5 Anwesenden vollständig verputzt und sogar der Liter Joghurt mit einer ganzen Ananas und 3 Mangos wurde fast komplett vertilgt. Nicht zu reden von den Keksen, den Sodas und dem Bier. Der Abend endete mit der völligen Bewegungsunfähigkeit aller Beteiligten vor dem Kamin, wo zum Abschluss auch noch Stefan's eigentlich für Silvester gedachte "Moods" Zigarillos dran glauben mussten. Danach war mir dann endgültig schlecht! :-)
Den letzten Abend verbrachten wir natürlich auch nicht zu Hause. Nein! Überraschenderweise hatten wir eine Einladung zum Dinner. Diesmal bei Denice und seiner Schwester Anneth. Denice ist der eigentliche Hüter des Internet Cafe's und Anneth ist seine Schwester, unser guter Hausgeist für die Zeit in Ndolage. Da wir die Beiden zuvor schon einmal eingeladen hatten und außerdem noch nie bei ihnen bzw. bei Denice zu Hause waren, musste das so kurz vor der Abreise natürlich noch geändert werden. Vor lauter Arbeit kamen wir für deutsche Verhältnisse erstmal viel zu spät. Anstatt um halb acht, gegen acht. Das ist hier aber kein Problem. Im Gegenteil. Eine halbe Stunde Verspätung ist noch ziemlich pünktlich. "African time. You know? Pole, pole!" :-) Denice und seine Schwester, die eigentlich nur zu Besuch in Ndolage war, bis sie unser Jobangebot bekam, wohnen in einem Reihenhaus, das dem Krankenhaus gehört. Jede Wohnung besteht aus einem Schlafzimmer und einem Wohnzimmer. Draußen gibt es für die Bewohner 2 Toiletten, eine Dusche und eine Küche, die sich alle teilen. Das Wohnzimmer war etwa 4x4m groß und allein schon mit den Möbeln gut gefüllt. Ein kleiner Wohnzimmertisch stand in der Mitte, drumherum 3 Sessel und eine 3er-Couch. In einer Ecke ein Fernsehtisch mit DVD-Player, in der anderen Ecke ein kleiner Kühlschrank. Nach vorne raus ein Fenster. Das war's! Nach dem Motto, "Platz ist in der kleinsten Hütte", tummelten sich zu Spitzenzeiten unseres Besuches 9 Leute auf engstem Raum, inklusive 2 neugieriger Nachbarskinder. Dementsprechend war es kuschelig warm in der Hütte. Zu Essen gab es Reis mit Pilau Massala, Chapati (Mehlfladen), selbstgemachte Pommes, Tomaten mit Zwiebeln und eine leckere Erdnussauce mit Bittertomaten. Alles sehr lecker, wie immer wenn Anneth kocht! Dazu die obligatorischen Sodas und natürlich Bier. Bei der Gelegenheit haben wir auch Denice Freundin kennengelernt. Die zwei wollen bald heiraten. Auch das ist natürlich um einiges komplizierter als bei uns. Denice Eltern kennen seine Freundin noch nicht einmal. Und sie werden sie auch erst etwa einen Monat vor der Hochzeit kennenlernen. Dann geben sie Ihre Zustimmung, hoffentlich. Danach wird Denice Ihren Eltern vorgestellt und wenn diese auch zustimmen, wird ein Brautpreis festgelegt. Traditionell sind das Kühe oder Ziegen, manchmal aber auch Zucker oder einfach Geld. Wegen des Brautpreises können sich viele also erst sehr spät, wenn überhaupt eine Frau leisten. Offiziell zusammensein und zusammen leben, dürfen sie aber erst nach der Hochzeit. Das heißt, für viele Paare ist die Beziehung erstmal eine lange Geheimniskrämerei. Die Eltern und Verwandten dürfen nicht erfahren, dass man eine Freudin oder gar einen Freund hat. Die Hochzeit an sich ist dann ähnlich wie bei uns. Man feiert einen Tag lang und läd alle Verwandten ein. Auch wenn das schon sehr altmodisch klingt, geht es noch weitaus altmodischer. Bei einigen Stämmen, zum Beispiel den Massai, werden die kleinen Kinder schon mit 3 Jahren verheiratet und wenn sie dann alt genug sind einfach zusammengesteckt. Liebe spielt da keine Rolle. Das ergibt sich oder auch nicht. Die Erstgeborene jedes Paares gehört (!!!) außerdem bis sie zu ihrem Mann geht, zunächst einmal der Mutter der Mutter oder der Schwiegermutter. Sie muss ihr im Alltag helfen und ihr zur Hand gehen, wenn sie altersbedingt nicht mehr so zupacken kann. Außerdem verbieten nach wie vor einige Stämme ihren Frauen zu arbeiten. Selbst, wenn die Familie jeden Schilling gut gebrauchen könnte. Sie dürfen nur im eigenen Haus und in den Gärten arbeiten.
Tja, so kann's gehen. Wir haben es schon gut. Aber auch Tansania entwickelt sich. Vor 20 Jahren lief noch keine Frau dort in Hosen herum. Mittlerweile sieht man viele. Auch arbeiten inzwischen sehr viele oder machen eine Ausbildung. Achtung Männer, die Emanzipation der Frau ist auch hier voll im Gange.
Den restlichen Abend haben wir einfach mit Plaudern verbracht. Auch den Beiden haben wir ein kleines Geschenk dagelassen. Ebenfalls gerahmte Fotos zur Erinnerung, die wir bei unserem ersten Treffen gemacht hatten. Sie habe sich beide sehr gefreut! Fotos sind hier voll der Renner. Wir haben im Gegenzug auch etwas bekommen. Stefan ein T-Shirt und ich einen Kitenge (Stoff). Mal sehen, ob ich auf Sansibar noch einen guten Schneider finde... Gegen 10 Uhr haben wir uns dann verabschiedet. Unsere kleine Anneth werden wir vermissen! Nicht nur, weil sie uns eine Menge Arbeit abgenommen und uns bestens bekocht hat. Mittlerweile ist sie uns eine Freundin geworden.

 

CTC Clinic

Die letzte Woche in Ndolage war im Gegesatz zum sonstigen, eher gemächlichen Lebensrhythmus ("Pole pole!" - "Langsam, langsam!") fast schon hektisch.
Am Montag war ich in der CTC Clinic und habe mich von Dr. Victoria ein bißchen in die Behandlung und Betreuung von HIV- und AIDS-Kranken einweisen lassen. Dr. Vic ist eine Ärztin von den Philippinen und die einzige Asiatin in Ndolage. Die Patienten können im Prinzip jeden Tag in die Clinic kommen und sich Ihre Medikamente abholen bzw. verschreiben lassen. Die Behandlung ist kostenfrei. Der Hauptsponsor heißt ICAP. Allerdings ziehen sich wohl immer mehr Organisationen aus dem Programm zurück, vermutlich nicht zuletzt wegen der Rezession. Alle hoffen und bangen, dass ICAP weiter durchhält und die Versorgung nicht völlig zusammenbricht. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was wäre, wenn die Medikamente von jedem einzelnen Patienten selbst bezahlt werden müssten. Vermutlich kaum einer könnte es sich leisten. Die Sterblichkeit würde rasant ansteigen. Kinder und Alte blieben zurück. Auf diese Art und Weise wäre an einen langsamen wirtschaftlichen Aufschwung des Landes nicht mehr zu denken. Aber mit diesem Problem ist Tansania nicht alleine. Botswana hat beispielsweise die höchste Rate an Infizierten des ganzen Kontinents. Jeder 3. Einwohner (!!!) soll dort HIV positiv sein.
Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dasss die Versorgung der HIV-Patienten in Ndolage eigentlich ganz gut organisiert ist. Natürlich gibt es aber beim genaueren Hinsehen in der Umsetzung des Programms so einige Pferdefüße. Zum Beispiel fehlt ein Gerät, um die Anzahl der T-Helfer Zellen im Blut zu bestimmen, ein sogenannter CD4-Counter. T-Helfer Zellen sind die Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die charakteristischerweise, bedingt durch den HIV-Virus mit der Zeit rapide abnehmen. Auf diese Weise wird das Immunsystem extrem geschwächt und die Patienten haben ein steigendes Risiko an opportunistischen (mit HIV einhergehenden) Infektikonen, wie zum Beispiel Tuberkulose, zu erkranken und schließlich häufig auch daran zu versterben. Jedes halbe Jahr sollte solch ein CD4 Count stattfinden. Fällt die Anzahl der CD4-Zellen unter einen bestimmten Wert, so wird mit der medikamentösen Behandlung, bestehend aus mehreren Medikamenten, begonnen. Da es ein solches Gerät nicht gibt, wird den Patienten zwar in Ndolage das Blut abgenommen, dann wird es aber umständlich und über relativ weite Strecken z.B bis in das Bukoba Government Hospital zur Auswertung gebracht. Hört sich erstmal nach einer vertretbaren Lösung an. Leider ist es aber so, dass von den auswärtigen Krankenhäusern nur eine limitierte Anzahl an Messungen pro Woche zugelassen werden. So kann es sein, dass CD4-Counts nicht pünktlich durchgeführt werden und damit evtl. der richtige Zeitpunkt für den Behandlungsbeginn verpasst wird. Aber selbst wenn alles ideal läuft und die medikamentöse Therapie zeitig begonnen wird, so kommt es immer öfter dazu, dass Medikamente oder aber auch Kondome fehlen. Leider wurde auch kürzlich die bis dato kostenfreie Behandlung von opportunistischen Infektionen eingestellt. Kommt jetzt ein Patient mit einer solchen Erkrankung, muss er die Kosten selber tragen. Die meisten können das nicht. Ein viel genutztes Hintertürchen ist daher der Medikamentenfundus des "Palliativ Care Teams". Leider versiegt auch diese Quelle immer öfter. Eine weitere Möglichkeit ist der "Poor Patient Fund (PPF)", für den so viele Paderborner beim 24h-Schwimmen letzten Sommer im strömenden Regen ins Wasser gesprungen sind. Leider mußte ich hören, dass auch dieser zur Gänze aufgebraucht ist.
Tja, auf diese Weise sind den Doktoren dann viel zu oft die Hände gebunden, obwohl die Strukturen eigentlich gar nicht so schlecht sind.
Das Schicksal eines kleinen Patienten hat mich an diesem Tag besonders beschäftigt. Er kam mit seiner eigentlich sehr gesund aussehenden Mutter. Zuerst habe ich ihn gar nicht gesehen. Seine Mutter trug ihn in einen Kanga gewickelt auf dem Rücken. Als sie sich dann setzte und das Kind nach vorn auf ihren Schoß holte, habe ich mich richtig erschrocken. Zum Vorschein kam ein völlig ausgemergeltes, vor Kraftlosigkeit nur noch wimmerndes, kleines Würmchen mit tief in die Höhlen eingesunkenen Augen. Selbst im Gesicht konnte man jeden Knochen einzeln erkennen. Dafür hatte er einen riesigen "Hungerbauch" mit im Gegensatz dazu furchbar dünnen Ärmchen und Beinchen. Außerdem litt er an langanhaltendem Fieber und Erbrechen. Seit einer Woche habe er nichts Festes mehr bei sich behalten können. Laut der Mutter sollte er sechs Jahre alt sein. Wenn man ihn sich so ansah, schätzte man ihn aber höchstens auf vier. Auf Nachfrage sagte die Mutter sie sei HIV positiv, jedoch in einer anderen Klinik registriert. Sie bräuchte bisher keine Therapie. Ihren Sohn habe sie nicht testen lassen und jetzt ginge es ihm seit einer Woche immer schlechter. Dr. Vic. wollte den Kleinen gleich aufnehmen. Wie immer musste aber die finanzielle Seite zuerst geklärt werden, da nur wenige eine Krankenversicherung besitzen. Victoria sagte, sie habe zu Beginn viele Patienten einfach aufgenommen, die dann noch am gleichen Tag das Krankenhaus wieder verlassen haben, weil sie die auf sie zukommenden Kosten nicht aufbringen konnten. Auch diese Mutter gab an, keine Versicherung und auch kein Geld zu haben. Ich fragte Dr. Vic nach dem PPF und erfuhr auf diese Weise, dass er völlig aufgebraucht ist. Zum Glück wurde der kleine Patient samt Mutter aber trotzdem aufgenommen. Wie die Kosten letztendlich gedeckt werden, weiß ich nicht. Vermutlich geht es aber zu Lasten des Krankenhauses. Keine Seltenheit. Solche "Samaritertaten" sind natürlich sehr schön, richtig und wichtig, treiben aber ein Krankenhaus auf die Dauer womöglich in den Konkurs. An dieser Stelle daher nochmal die Erinnerung an den PPF. Wenn jeder, der im Dezember weit über 1000 Besucher auf unserem Blog, auch nur 5 Euro spenden würde (Kontodaten findet Ihr unter dem Reiter Ndolage), dann wären das mehr als 10.000.000 tansanische Schillinge. Ein für hiesige Verhältnisse riesiger Batzen Geld!

 

Abendessen im Bananenfeld

Gestern haben wir recht überraschend eine Einladung von Kalugendus zum Abendessen bekommen. Das ist der hiesige Apotheker. So sind wir zusammen mit Jutta und Henrik um halb acht mit dem Auto zu seinem Haus gefahren. Es liegt ein bisschen außerhalb von Ndolage und wir sind kreuz und quer durch ein schier endloses Labyrinth von Bananenbäumen gefahren. Nach ca 15 Minuten waren wir dann da. Umringt von Bananenbäumen steht sein kleines, aber feines Heim. Seine Frau Linda und er erwarteten uns schon. Zunächst gab es traditionell etwas Chai (Schwarzer Tee mit Milch und viel, wirklich viel Zucker) und Popcorn. Dann wurde zum Abendessen gebeten. Es gab (natürlich) Bananen mit Bohnen, Fleisch und Kartoffeln. Es war superlecker und wir hatten einen wirklich schönen Abend. Da Jutta am Wochenende nach Sansibar zum arbeiten wechselt, hat sie als Abschiedsgeschenk von Kalugendus und Linda noch ein schickes Stück Stoff bekommen, um sich ein Kleid nähen zu lassen. Es wurden noch einige Nettigkeiten ausgetauscht, ein Gebet gesprochen und dann sind wir wieder nach Hause gefahren. Wir haben es wirklich sehr genossen.

 

Wir müssen mal raus

Da wir befürchten, dass uns so langsam die Decke auf den Kopf fällt, haben wir gestern einen kleinen Trip nach London gebucht. Wir müssen einfach mal raus.....unter Leute kommen. ;-) Nein, mal im Ernst: Wir kommen am Montag den 15. März zurück in die Heimat und werden gleich am Donnerstag wieder in ein Flugzeug steigen und nach London jetten. Sonntag Abend sind wir dann wieder da. Es ist die einzige Gelegenheit für dieses Jahr, ein richtig langes Wochenende nochmal wegzufahren (unseren Jahresurlaub verbraten wir ja gerade). Des Weiteren wollen wir Julijas Bruder, die Käthe und natürlich zwei Bekannte (James & Anna) von dem Windhoek-VicFalls-Trip.
Die große "Homecoming-Party" müssen wir also um eine Woche verschieben.