Fortbildungen und "Dinner not only for one"

Der Rest der Woche stand dann arbeitstechnisch ganz unter dem Motto "Teaching". Mein Verprechen eine Fortbildung über Ultraschall zu halten, wollte ich unbedingt noch einlösen. Angesichts der instabilen und oft furchtbar langsamen Internetverbidnung, ein ziemlich zeitaufwändiges Vorhaben, da ich für den Theorieteil dutzende von Ultraschallbildern herunterladen musste. Nebenbei wollte ich zusammen mit Jutta auch noch, auf Ndolage's Möglichkeiten zugeschnitzte, "Guidelines für die Behandlung von Diabetes mellitus" zusammenstellen. Etwas hektisch, aber letztendlich haben wir alles fertig bekommen und nach mehreren gescheiterten Anläufen ("Pole, pole!") auch an den Mann/Frau, Arzt/Ärztin bzw. Schwester und Pfleger bringen können. Ich hoffe, trotz unseres nur kurzen Aufenthaltes, auf diese Art etwas Sinnvolles in Ndolage hinterlassen zu haben!
Abends jagte dann eine Einladung zum Dinner die andere. Nach dem schönen Montagabend bei den Kalugendus (s. "Abendessen im Bananenfeld"), wurden wir am Dienstagabend zu einem, wie wir dachten, offiziellen Abschiedsessen von Dr. Jutta Joergensen eingeladen. Alle Mzungus aus Ndolage inklusive Voluntäre und Famulaten waren geladen. Desweiteren waren der Chefarzt, der Geschäftsführer, einige Doktoren und Schwestern anwesend. Schnell stellte sich zu unserer Überraschung heraus, dass nicht nur Jutta sondern auch wir verabschiedet werden sollten. Angesichts unseres so kurzen Aufenthaltes im Vergleich zu Jutta (mehr als ein Jahr) fast schon beschämend. Gefreut haben wir uns natürlich dennoch. Ein bißchen wie auf dem Schützenfest wurden wir vorne an eine "Ehrentafel" gesetzt, zusammen mit dem Chefarzt und dem Geschäftsführer. Zuerst gab es lecker Essen, natürlich Bananen, Reis, selbstgemachte Pommes, Gemüse und Fleisch. Getrunken wurde Soda (Softdrinks) und zum Nachtisch die obligatorischen süßen, kleinen Bananen. Soweit zu gut! Im Anschluss begann dann die "Lobhudelei". Jeder der wollte, konnte etwas sagen und dem einen oder anderen von uns dreien für sein Engagement für das Krankenhaus danken. Sehr merkwürdige Situation. Mir jedenfalls wurde heiß und kalt gleichzeitig...und vielleicht bin ich auch etwas rot geworden. Im Anschluss daran kam der Part, wo WIR etwas sagen sollten. Auch nicht so einfach! Mir ist das aber immer noch leichter gefallen, als einfach dazusitzen, während Andere einem für etwas danken, was man selber als Spass bzw. Urlaub und super wertvolle Erfahrung empfunden hat. Irgendwie hatte ICH das Gefühl mich bedanken zu müssen, was sowohl ich als auch Stefan dann auch ausgiebeig getan haben. Zum Schluss gab es dann sogar auch noch Geschenke. Wir beide haben jeweils einen traditionellen Batiki (Kleidungsstück, s. Fotos) bekommen, worüber wir uns riesig gefreut haben. Damit war dann der offizielle Teil der Veranstaltung beendet. Weiter ging es dann mit einem gemütlichen Sitin bei Jutta und Henrik. Dort gab es sensationellen Schokoladenkuchen, Bier und noch mehr Soda. Gegen Mitternacht "rollten" wir schließlich alle nach Hause. Am Mittwoch Abend haben WIR dann Jutta, Hendrik und Simone zum Essen/"Carboloading" (Gruß an die Triathleten) eingeladen. Es gab Nudelauflauf mit Käse überbacken. Da man in Ndolage keine Nudeln und auch keinen Käse kaufen kann, mußte der Abend von langer Hand geplant werden. Eine Woche zuvor hatte ich bei meinem Besuch in der Town Clinic in Bukoba schon Nudeln, Käse und ein Kilo Tomaten und ein Paar Möhren gekauft. Desweiteren brauchten wir für den Nachtisch Joghurt, den es nur an einer Stelle in Bukoba zu kaufen gibt, und natürlich Mango und Ananas. Als kleine Abschiedsgeschenke hatte wir uns für gerahmte Fotos von den Abenden zuvor entschieden. Dann wollte wir noch Feuerholz besorgen, um an dem Abend ein gemütliches Kaminfeuerchen zu machen und zu guter letzt Kekse backen, damit es auch was zu Knabbern gab. Ach ja, und natürlich Bier, das darf nicht fehlen. Nur nach viel Überredungskunst ist es gelungen, den Verkäufer davon zu überzeugen, das er uns die Flaschen mitgibt. Normalerweise muss man die Flaschen, die man kauft, gleich austrinken, ansonsten muss ein zusätzlicher Flaschenpreis gezahlt werden. Jaja, alles nicht so einfach! Nix mit 5 min. in den Supermarkt springen und fertig... :-)
Alles in allem war der Abend dann aber ein voller Erfolg, 800 g Nudeln, ein Kilo Tomaten + Möhren + 250 g Käse wurden von den 5 Anwesenden vollständig verputzt und sogar der Liter Joghurt mit einer ganzen Ananas und 3 Mangos wurde fast komplett vertilgt. Nicht zu reden von den Keksen, den Sodas und dem Bier. Der Abend endete mit der völligen Bewegungsunfähigkeit aller Beteiligten vor dem Kamin, wo zum Abschluss auch noch Stefan's eigentlich für Silvester gedachte "Moods" Zigarillos dran glauben mussten. Danach war mir dann endgültig schlecht! :-)
Den letzten Abend verbrachten wir natürlich auch nicht zu Hause. Nein! Überraschenderweise hatten wir eine Einladung zum Dinner. Diesmal bei Denice und seiner Schwester Anneth. Denice ist der eigentliche Hüter des Internet Cafe's und Anneth ist seine Schwester, unser guter Hausgeist für die Zeit in Ndolage. Da wir die Beiden zuvor schon einmal eingeladen hatten und außerdem noch nie bei ihnen bzw. bei Denice zu Hause waren, musste das so kurz vor der Abreise natürlich noch geändert werden. Vor lauter Arbeit kamen wir für deutsche Verhältnisse erstmal viel zu spät. Anstatt um halb acht, gegen acht. Das ist hier aber kein Problem. Im Gegenteil. Eine halbe Stunde Verspätung ist noch ziemlich pünktlich. "African time. You know? Pole, pole!" :-) Denice und seine Schwester, die eigentlich nur zu Besuch in Ndolage war, bis sie unser Jobangebot bekam, wohnen in einem Reihenhaus, das dem Krankenhaus gehört. Jede Wohnung besteht aus einem Schlafzimmer und einem Wohnzimmer. Draußen gibt es für die Bewohner 2 Toiletten, eine Dusche und eine Küche, die sich alle teilen. Das Wohnzimmer war etwa 4x4m groß und allein schon mit den Möbeln gut gefüllt. Ein kleiner Wohnzimmertisch stand in der Mitte, drumherum 3 Sessel und eine 3er-Couch. In einer Ecke ein Fernsehtisch mit DVD-Player, in der anderen Ecke ein kleiner Kühlschrank. Nach vorne raus ein Fenster. Das war's! Nach dem Motto, "Platz ist in der kleinsten Hütte", tummelten sich zu Spitzenzeiten unseres Besuches 9 Leute auf engstem Raum, inklusive 2 neugieriger Nachbarskinder. Dementsprechend war es kuschelig warm in der Hütte. Zu Essen gab es Reis mit Pilau Massala, Chapati (Mehlfladen), selbstgemachte Pommes, Tomaten mit Zwiebeln und eine leckere Erdnussauce mit Bittertomaten. Alles sehr lecker, wie immer wenn Anneth kocht! Dazu die obligatorischen Sodas und natürlich Bier. Bei der Gelegenheit haben wir auch Denice Freundin kennengelernt. Die zwei wollen bald heiraten. Auch das ist natürlich um einiges komplizierter als bei uns. Denice Eltern kennen seine Freundin noch nicht einmal. Und sie werden sie auch erst etwa einen Monat vor der Hochzeit kennenlernen. Dann geben sie Ihre Zustimmung, hoffentlich. Danach wird Denice Ihren Eltern vorgestellt und wenn diese auch zustimmen, wird ein Brautpreis festgelegt. Traditionell sind das Kühe oder Ziegen, manchmal aber auch Zucker oder einfach Geld. Wegen des Brautpreises können sich viele also erst sehr spät, wenn überhaupt eine Frau leisten. Offiziell zusammensein und zusammen leben, dürfen sie aber erst nach der Hochzeit. Das heißt, für viele Paare ist die Beziehung erstmal eine lange Geheimniskrämerei. Die Eltern und Verwandten dürfen nicht erfahren, dass man eine Freudin oder gar einen Freund hat. Die Hochzeit an sich ist dann ähnlich wie bei uns. Man feiert einen Tag lang und läd alle Verwandten ein. Auch wenn das schon sehr altmodisch klingt, geht es noch weitaus altmodischer. Bei einigen Stämmen, zum Beispiel den Massai, werden die kleinen Kinder schon mit 3 Jahren verheiratet und wenn sie dann alt genug sind einfach zusammengesteckt. Liebe spielt da keine Rolle. Das ergibt sich oder auch nicht. Die Erstgeborene jedes Paares gehört (!!!) außerdem bis sie zu ihrem Mann geht, zunächst einmal der Mutter der Mutter oder der Schwiegermutter. Sie muss ihr im Alltag helfen und ihr zur Hand gehen, wenn sie altersbedingt nicht mehr so zupacken kann. Außerdem verbieten nach wie vor einige Stämme ihren Frauen zu arbeiten. Selbst, wenn die Familie jeden Schilling gut gebrauchen könnte. Sie dürfen nur im eigenen Haus und in den Gärten arbeiten.
Tja, so kann's gehen. Wir haben es schon gut. Aber auch Tansania entwickelt sich. Vor 20 Jahren lief noch keine Frau dort in Hosen herum. Mittlerweile sieht man viele. Auch arbeiten inzwischen sehr viele oder machen eine Ausbildung. Achtung Männer, die Emanzipation der Frau ist auch hier voll im Gange.
Den restlichen Abend haben wir einfach mit Plaudern verbracht. Auch den Beiden haben wir ein kleines Geschenk dagelassen. Ebenfalls gerahmte Fotos zur Erinnerung, die wir bei unserem ersten Treffen gemacht hatten. Sie habe sich beide sehr gefreut! Fotos sind hier voll der Renner. Wir haben im Gegenzug auch etwas bekommen. Stefan ein T-Shirt und ich einen Kitenge (Stoff). Mal sehen, ob ich auf Sansibar noch einen guten Schneider finde... Gegen 10 Uhr haben wir uns dann verabschiedet. Unsere kleine Anneth werden wir vermissen! Nicht nur, weil sie uns eine Menge Arbeit abgenommen und uns bestens bekocht hat. Mittlerweile ist sie uns eine Freundin geworden.