Safari Tag 5: Ngorongoro Krater

Am nächsten Morgen hörten wir sowohl von Hamburg, als auch von dem Ami, mit dem wir uns am Abend zuvor unterhalten hatten, dass sie kaum ein Auge zugemacht hatten. Büffel waren durch das Lager gestriffen und hatten auf der Wiese, auf der wir zelteten, genüsslich geäst. Im Dunkeln hatte sich dann wohl einer von ihnen unglücklicherweise in den, das Vorzelt der Hamburger haltenden Leinen verfangen und das ganze Ding mehrmals ordentlich zum Schwanken gebracht. Tom und Carlos haben es, bis auf einen deftigen Schrecken und ihren geraubten Schlaf, unbeschadet überlebt. Ganz im Gegensatz zu ihrem Vorzelt! :-) Das hat man nun davon, wenn man in so einem "Palast" schläft. Es stolpern nur die wilden Tiere drüber. Ein Lachen konnten wir uns da nun wirklich nicht mehr verkneifen, zumal wir mal wieder vorzüglich geschlafen hatten.
Bei Tagesanbruch fuhren wir los. Der Himmel war wolkenverhangen, es war neblig und regnete. Nicht gerade die Besten Aussichten. Zum Glück stoppte der Regen, sobald wir in den Krater eintauchten. Die Wolken waren wohl am Kraterrand hängengeblieben. Vor uns lag nun das Innere des Kraters in der aufgehenden Sonne. Man konnte die Tiere von oben als kleine, dunkle Punkte auf dem Grün erkennen. Ein Gefühl wie in "Jurassic Park" machte sich breit: ein kleiner, von der restlichen Welt abgetrennter Flecken Erde. Wieder etwas ganz anderes im Vergleich zu dem, was wir bisher gesehen hatten. Es wir einfach nicht langweilig in Afrika! Am Rand der großen Wasserflächen tummelten sich tausende von Pelikanen, am Ufer lagen Löwen schlafend in der aufgehenden Sonne neben einem frisch erlegten Gnu und störten sich nicht die Bohne daran, als wir vorbei fuhren. Familie Warzenschwein döste ebenfalls in der Sonne und eine Hyäne trabte umher, wohl auf der Suche nach was Essbarem.
So sureal, man traute mal wieder seinen Augen kaum. Etwa eine Stunde war vergangen, da stoppte Mohammed und deutete auf einen großen, grauen Berg etwa 70 m entfernt. Der Berg bewegte sich. Wir hatten ein schwarzes Nashorn gefunden! Black Rhinos sind nicht wirklich schwarz. Sie sind grau, wie die White Rhinos auch. Die Schwarzen haben im Gegensatz zu den Weißen ein spitzes Maul, sind kleiner, agressiver, fressen Gras und Blätter und sind noch seltener. Insgesamt 6 Stück sollten wir an diesem Vormittag sehen. Keine schlechte Quote, wenn man davon aussgeht, dass es im gesamten Krater nur noch 27 von ihnen gibt. Warum es nur noch so wenige gibt, wurde uns aber auch an diesem Morgen klar. Die armen Tierchen sind ständig von Safarifahrzeugen, wenn auch in gebührendem Sicherheitsabstand (ca.50m), umringt. Wie sollen sie da genügend Ruhe finden, um sich zu paaren? Weitere Highlights des Tages waren dann ein riesiger Elefantenbulle mit irrsinnig langen Stoßzähnen. So lang, dass sie fast über den Boden schliffen. Mohammed schätzte ihn auf etwa 60 Jahre. Angeblich können Elefanten bis zu 100 Jahre alt werden. Außerdem sahen wir noch weitere Löwen, die es sich im Schatten eines Safari Jeeps bequem gemacht hatten. Sehr witzig! Insgesamt 4 Löwen umringten den Wagen und machten es sich gemütlich, so dass es dem Fahrer unmöglich war, weiter zu fahren. Und schließlich, was unser Safariglück komplett machte, kamen wir auch noch zu unserem Cheetah, dem Geparden. Als würde er für eine Autogrammstunde bereit stehen, saß er auf einem kleinen Hügel neben der Strasse und ließ sich fotografieren. Wir waren bei Weitem nicht die einzigen vor Ort, aber das schien ihm nichts auszumachen. Mal stand er, mal saß er, mal gähnte er eindrucksvoll und fletschte dabei die Zähne. Fast wären wir auch noch in den Genuss einer Gepardenjagd gekommen. Eine einzelne, unvorsichtige Thomson Gazelle trieb sich in unmittelbarer Nähe herum. Cheetah hatte schon Maß genommen, hatte sich angeschlichen und war in Lauerstellung gegangen. Aus irgendeinem Grund überlegte er es sich dann aber nochmal anders. Vielleicht waren es ihm zu viele Zeugen. Wer weiß?
Völlig zufrieden und wieder mal tief beeindruckt verließen wir gegen Mittag den Krater. Schon auf der Rückfahrt fing es wieder an zu gießen. Zum Glück hatten wir aber schon morgens das Gröbste aus den Zelten geräumt und vor allem die Schlafsäcke trocken untergebracht, so dass wir jetzt nur noch alles in den Wagen schmeißen mussten. Völlig erledigt, ein weiteres Mal mehr von den Eindrücken, als von körperlicher Anstrengung, freuten wir uns auf eine ruhige Rückfahrt, eine warme Dusche und ein richtiges Bett in Moshi. Schon nach ca. 10 min. Fahrt mussten wir aber den ersten Zwangsstop einlegen. Schon wieder ein Plattfuß! Mohammed musste raus und im Regen den Reifen wechseln. Wieder war es das Rad hinten links, das kaputt war. Keine 15 Minuten später war aber auch das erledigt und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Leider nicht allzu lange. Schon nach weiteren 10 Minuten Fahrt bemerkte sogar ich komisch rumpelnde und schabende Geräusche, die von der Hinterachse herkamen. Ein nächster Stop war die Folge, diesmal endgültig. Wir stiegen aus und schnell wurde klar, dass diesmal nicht ein Plattfuß die Ursache für die merkwürdigen Geräusche war. Nur noch zwei Schrauben hielten das Rad an der Achse. Aus irgendeinem Grund "eierte" es und sprengte eine Schraube nach der anderen ab. Mohammed wollte den Wagen noch etwas mehr an den Strassenrand fahren und bei dem Versuch platze schließlich die vorletzte Schraube auch noch ab. Spätestens jetzt war jedem klar, dass wir mit dem Gefährt nicht mehr weiterfahren konnten. Zum Glück hatten wir es noch rechtzeitig bemerkt. Bergab hätte uns womöglich sonst unser eigener Hinterreifen überholt. Eher unschön! So standen wir da also am Strassenrand, immernoch am Kraterrand und warteten auf Hilfe, die glücklicherweise auch nicht lang auf sich warten ließ. Ein anderes Fahrzeug derselben Safarigesellschaft sammelte uns schließlich auf und nahm uns inkl. Gepäck dankenswerter Weise mit. Gegen halb acht abends kamen wir schließlich ziemlich abgekämpft in Moshi an. Noch 24 Stunden und wir würden auf Zanzibar in der Sonne liegen!

 
Kommentare (1)
Zanzibar
1 Wednesday, 03 March 2010 21:09
Almira
Hallo Ihr Zwei,
wer soll Euch glauben, dass Ihr in der Sonne liegen könnt?Spätestens nach 1 Stunde hebt es doch einen von Euch hoch - ich geh mal eben joggen - oder? Dabei hättet Ihr es richtig verdient, nach den vielen Strapazen, mal länger liegen zu bleiben!
Übrigens, wir freuen uns schon riesig auf Euch.