Google Street View, Datensicherheit und die Deutschen

Ein Thema das in den letzten Wochen und Monaten die Gazetten und den Volksmund sehr beschäftigt hat, ist das Thema Google Street View (GSV). Erst heute konnten wir in den Medien erfahren, dass GSV in Deutschland erfolgreich gestartet wurde und Google allein in Deutschland 250.000 Häuser im Vorfeld unkenntlich machen musste, soviel wie in keinem anderen Land. Für die entsprechenden Anträge wurde viel Werbung gemacht, ja fast schon eine Hetzkampagne gegen Google gestartet. In meinen Augen war das die größte Seifenblase seit der Banken- und Immobilienkrise in den Staaten. Aber warum schreibe ich das alles?
Zu meinem Job gehört unweigerlich das Thema E-Mail-Verschlüsselung. Extra zu diesem Thema haben wir eine Informationsreihe in Form einer Roadshow veranstaltet, sind von Stadt zu Stadt gefahren und haben Kunden und solche die es werden wollen/sollen über das Thema umfassend informiert. Wir haben darüber gesprochen was E-Mail-Verschlüsselung genau ist, wie sie funktioniert und was man dafür alles tun muss. Insgesamt eine runde Sache die, wenn man weiß wie es funktioniert, ganz einfach umsetzbar ist. Man muss dazu sagen, dass eine unverschlüsselte E-Mail wie eine schlichte Postkarte ist, die man durch die Welt schickt und damit rein theoretisch von jedem lesbar ist. Dessen sind sich allerdings nur wenige bewusst. Unter denjenigen die es wissen, gibt es leider immer noch sehr viele, die trotzdem nicht verschlüsseln, meist aus Bequemlichkeit.
Eine kurze Geschichte (wahre Begebenheit) möchte ich dazu erzählen: Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich eine Versicherung bei einer renommierten Gesellschaft abgeschlossen. Bei der Angabe meiner Kontodaten ist allerdings etwas schief gelaufen und die erste Abbuchung konnte seitens des Versicherers nicht getätigt werden. Ich bekam daraufhin ein Schreiben, mit dem Hinweis auf die fehlerhaften Kontodaten. Die korrekten Kontodaten sollte ich dann auf eine beigelegte Postkarte schreiben und mit meiner Unterschrift versehen an die Versicherung zurückschicken. Jetzt mal ganz ehrlich: Wer von Euch hätte das gemacht? Ich lege doch nicht eine fix und fertig unterschriebene Lastschrift, für jedermann lesbar in den Briefkasten!
Ich habe daraufhin sichtlich genervt bei der Versicherung angerufen um zu erfahren, was es damit auf sich hat. Als Antwort bekam ich: Die Kunden wollen es so einfach wie möglich haben, deswegen die Postkarte. Selbst ein Umschlag war für viele Kunden wohl schon zu umständlich! Unglaublich! Ich meine, es geht hier um eine der sensibelsten Informationen, die wir im Alltag so mit uns führen und es gibt tatsächlich Menschen, die das einfach so auf eine Postkarte schreiben und mit Unterschrift (Einverständniserklärung für die Lastschrift!) dann einfach so durch die Gegend schicken. Vermutlich sind einige dabei, die ganz laut geschrien haben, als es um das Thema GSV und die Abbildung des eigenen Hauses im Internet ging. Da kann ich wirklich nur mit dem Kopf schütteln.
In einer bekannten Paderborner Lokalzeitung konnte man kürzlich folgenden Satz des FDP-Politikers Pöppe lesen: „Google Street View ist geeignet, massiv in die privatesten Lebensbereiche der Paderborner einzugreifen“. Ich kenne die privatesten Lebensbereiche dieses Mannes nicht, aber die Fassade meines Hauses und mein Vorgarten gehören definitiv nicht zu den privatesten Lebensbereichen, meine Kontodaten nebst Unterschrift dagegen sehr wohl.
Mehr als die Hausfassade und Teile des Vorgartens können von GSV ohnehin nicht erfasst werden. Des Weiteren schreibt er „Die Privatsphäre ist in diesem Fall völlig aufgehoben“. Offensichtlich kennt Hr. Pöppe Google Earth noch nicht. Für mich hätte es viel mehr Sinn gemacht, gegen die Bilder bei Google-Earth zu protestieren. Dort  kann man nämlich wirklich mein komplettes Grundstück gut sehen und auch Einzelheiten erkennen.  Dazu gehört auch der hintere Teil des Hauses, der normalerweise für das freizügige Sonnenbad genutzt wird. Mit Google Earth wurden sogar schon Fans des illegalen Hanf-Anbaus überführt. (http://www.netzeitung.de/vermischtes/1262977.html) Das wäre mit Google StreetView definitiv nicht passiert.
Was offenbar die wenigsten nicht zu wissen scheinen, ist die Tatsache, dass GSV nicht der einzige Dienst ist, der durch die Straßen der Republik fährt und die Straßenzüge fotografiert. Der deutsche Dienst Sightwalk (http://www.sightwalk.de) bietet die gleiche Dienstleistung an. Es gibt nur zwei Unterschiede:
1) Die Kamera hing bei den Aufnahmen auf 1,90m Höhe, nicht wie bei GSV auf 2,5m
2) Es ist ein deutsches Unternehmen.
Hinzu kommen noch weitere Dienste, die dasselbe tun. Für mich ist das alles nur Panikmache. “Leute wehrt Euch! Es werden persönliche Daten von Euch im Internet ohne Eure Erlaubnis veröffentlicht”. Diese Aussage ist meiner Meinung nach geradezu lächerlich im Zeitalter von Payback, geklauten Kreditkarteninformationen und Co. Sicherlich war es richtig, die Menschen auf das Widerspruchsrecht aufmerksam zu machen, aber die Berichterstattung war völlig neben der Spur und war reine Panikmache. Geht lieber auf die Barrikaden wenn Firmen wie Easy Cash so derart fahrlässig mit Euren Kontodaten umgehen, dass einem die Haare zu Berge stehen.

Gruß Stefan

PS: Die Karte von der Versicherung kann man sich bei Interesse gerne mal bei mir ansehen. Auf die Roadshow habe ich sie auch immer brav als negatives Beispiel mitgenommen.